Autohaus- und Automotive-Marketing. Automotive Blogger, Keynote-Speaker, Founder & Consultant.
Handlungsempfehlungen im Autohaus

Handlungsempfehlungen im Autohaus – Teil 2 Verkauf

Ein Fakt, den vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte. Der gewerbliche Verkauf von Kraftfahrzeugen in Autohäusern, ist in vielen Bundesländern Deutschlands temporär unzulässig und einzustellen. Die Umsetzung der Leitlinien, ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Es stellt ebenso eine gewisse Grauzone dar, somit ist das Beachten der landeseigenen Erlasse zwingend empfohlen!

Besteht ein offizielles vom Gesetzgeber verhängtes Verkaufsverbot, so wird dieses auch teilweise schon polizeilich kontrolliert, so der ZDK.

Was bedeutet das nun für die Mehrheit der Autohäuser, welche einen Mischbetrieb darstellen? Also wo und wie verläuft die Abgrenzung zwischen Verkauf, Werkstatt und Teileverkauf? Offene Fragen welche die Branche umtreibt. Sehr verständlich, denn teilweise ist dies alles stark miteinander vernetzt. Das macht es nicht leicht und fordert eine Bewertung und Umsetzung mit Augenmaß. Dieser Artikel „Handlungsempfehlungen im Autohaus“, dient dazu Impulse und Ideen zu vermitteln.

Grundlage aller Überlegungen

Der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter und Kunden steht über allem. Darüber hinaus müssen wir akzeptieren sowie lernen, das es darum geht mit Corona zu leben und nicht dagegen. So wie die Grippe, wird uns diese Krankheit sehr wahrscheinlich wiederkehrend und langfristig immer wieder begleiten. Wann und wie wirksam ein Impfstoff der breiten Masse zur Verfügung steht, kann niemand genau datieren.

Also was es aktuell benötigt ist Ruhe, gesunder Menschenverstand und der Blick über den Tellerrand hinaus. Wenn die beschlossenen Maßnahmen greifen, werden wir uns auch eher wieder dem „Normalen“ annähern können. Je länger diese Krise andauert, umso schädlicher für die gesamte Wirtschaft.

Heruntergebrochen für den stationären Automobilhandel bedeutet das, mit zunehmender Dauer der Corona-Krise wird es sehr wahrscheinlich eine ungewollte Ausdünnung oder auch Selektion geben. Das hat nichts mit Angst machen zu tun, sondern ist ein realistischer Blick auf die Dinge.

80% der Autohäuser verzeichnen einen deutlichen Rückgang des Kundenverkehrs und der Auftragseingänge (Blitzumfrage ZDK)

Mehr als 85% Rückgang der Autoverkäufe im stationären Autohandel in China Februar 2020 (für Deutschland zu erwarten)

Jammern hilft nix, man muss nur an die tausenden anderen Betriebe und Unternehmen denken, welche ebenso mit teilweiser oder kompletter Einstellung ihrer Geschäftstätigkeit kämpfen.

Reisebüros, Bekleidungsgeschäfte, Kinos, Sporteinrichtungen, Bars usw. Oder auf der anderen Seite, an die Mitarbeiter welche in Supermärkten, Apotheken, Krankenhäusern oder auch Lieferdiensten täglich für unsere Versorgung einstehen.

Unsere Meinung zur notwendigen Infrastruktur

Der Erhalt oder die Wiederherstellung der individuellen Mobilität, ist auch in der jetzigen Situation eine wichtige Stütze. Nehmen wir Bezug auf das Auto als Fortbewegungsmittel, so gilt das natürlich primär nicht für einen Wochenendausflug oder um eine Runde über den örtlichen Markplatz zu drehen. Es geht vielmehr darum folgendes abzusichern:

  • Den täglichen Weg zur Arbeit für die Arbeitnehmer, welche dazu beitragen das unser aller Grundversorgung gewährleistet ist.
  • Das Personen im ländlichen Raum Versorgungsfahrten tätigen können.
  • Das Dienstleister wie Handwerker dringende Aufträge auch ausführen können.
  • Das Pflegepersonal eine mobile häusliche Betreuung gewährleisten kann.
  • Das Behördenfahrzeuge wie Krankenwagen oder Streifenwagen einsatzbereit sind.
  • Das leichte und schwere Nutzfahrzeuge für den Erhalt der Lieferketten sorgen können.
  • Einen Ersatz im Falle eines Totalschadens oder einer wirtschaftlich unsinnigen Reparatur.
  • Eventuelle Ausfallerscheinungen des ÖPNV zu kompensieren.

Um diesen Erhalt der Mobilität zu gewährleisten, benötigt es neben der Instandhaltung und Reparatur durch die deklarierten systemrelevanten Werkstätten, auch durchaus einen Verkauf von vor allem schnell verfügbarer Lagerware im Neufahrzeug- und Gebrauchtwagenbereich!

An dieser Stelle die passenden politischen Entscheidung zu treffen, ist sehr schwer. Jedoch kann man definitiv die Frage in den Raum stellen, ob es nicht sinnvoll wäre den stationären Fahrzeughandel von der Auslegung her, auf eine Stufe mit den Bereichen Tierbedarf, Baumarkt, Gartenartikel oder auch dem Friseur zu stellen?!

Jeder der in einem Autohaus mal gearbeitet hat, wird sehr wahrscheinlich bestätigen:

  • Im Verkauf bestehen durchschnittlich weitaus weniger Kunden-Kontaktpunkte als in der Werkstatt.
  • Keine dicht gedrängten Menschengruppen wie an Supermarkt-Kassen.
  • Das Kundenanfragen oder Beratung zum Großteil auch ohne physischen Kontakt stattfinden kann.
  • Lokaler Aufenthaltsort, zum Beispiel Wartebereich, gleich für Werkstatt und Verkauf ist.
  • Einhaltung des Mindestabstand durchaus umsetzbar ist.

Nochmal zum Verständnis, es geht nicht darum ein unnötiges Infektionsrisiko für Mitarbeiter und Kunden zu verursachen.

Ich selbst bin Vater von drei Söhnen und auch den Großeltern wünsche ich von ganzem Herzen volle Gesundheit. Dennoch die Frage, ob ein Autohaus welches in enger Verknüpfung repariert und verkauft, zu einem versorgungsrelevanten Betrieb gehört?

Sollte die Corona-Krise über ein, zwei oder fünf Monate anhalten, wird dies eine sehr wichtige Frage werden.

Corona im Autohaus
Corona-Panik ist kein guter Ratgeber

Die Perspektive entscheidet

Bei aller offenen Fragen, entscheidet die persönliche Sichtweise über die Antworten. Als Werkstattmitarbeiter in einem Angestelltenverhältnis, ist es völlig nachvollziehbar und legitim zu denken.

Warum soll ich mich täglich in 12 Kundenfahrzeuge setzen und somit einem hohen Infektionsrisiko aussetzen? Während mein Kollege aus dem Verkauf zu hause ist.

Auf der anderen Seite ist es genauso nachvollziehbar und folgerichtig, wenn ein Autohaus-Inhaber denkt.

Ich bin Unternehmer, dies ist eine prekäre Lage in der ich nicht weiss was auf mich zukommt. Der Betrieb muss weitestgehend erhalten bleiben um nicht insolvent zu gehen.

Dann kommt die Politik, die auch einen individuellen Blick auf die Dinge hat.

Wir müssen jeden unnötigen physischen Kontakt zwischen den Menschen vermeiden. Aktuell ein Auto zu kaufen, ist eher als nicht systemrelevant einzustufen.

Aus all diesen verschiedenen Perspektiven, die richtigen Schlüsse zu ziehen ist kaum möglich. Für jede Sichtweise gibt es pro und contra. Für ein Autohaus welches als Mischbetrieb agiert, gilt es die aktuell gültigen gesetzlichen Regelungen umzusetzen, die Menschen bestmöglich zu schützen und den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Das ist eine Gratwanderung!

Handlungsempfehlungen im Autohaus – Teil 2 Verkauf (dynamische Situation, Änderungen täglich möglich)

  • Kontakte weitestgehend minimieren.
  • Hygieneplan beachten. (Handhygiene, Abstand halten etc.)
  • Beachten der landeseigenen Erlasse.
  • Anbringen von Schildern oder Markierungen, die auf das Verkaufsverbot hinweisen.
  • Räumliche Trennung vom Verkaufsbereich zur Serviceannahme/Werkstattbereich.
  • Hinweis zum gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsverbot auf Website, Social Media Account etc. (dennoch auf Öffnung der Werkstatt hinweisen)
  • Mitarbeiter auf gleichen Informationsstand bringen und einschwören. Alle sitzen in einem Boot!
  • Anpassung der Öffnungszeiten und Arbeitszeiten.
  • Urlaubsplan anpassen.
  • Überstunden abbauen.
  • Kunden über Maßnahmen informieren. (Hygienmaßnahmen, Öffnungszeiten, Kommunikationsmittel, etc)
  • Ersatzwagen kostenfrei anbieten (vor Fahrerwechsel desinfizieren).
  • Proaktive Steuerung der gesamten Kommunikation auf digitale Kanäle (E-Mail, Messenger – Achtung DSGVO beachten)
  • Direkter Kontakt zu lokalen Zulassungsstellen und/oder Dienstleistern um im Informationsfluss zu bleiben.
  • Beobachtung der Lieferketten. (Hersteller und andere Zukaufquellen)
  • Aktuelle gesetzliche Regelung zum Kurzarbeitergeld verfolgen und Antragsfristen einhalten.
  • Kontakt zur Herstellerbank und/oder Hausbank. (Informationsfluss zu Teilzahlungs- und Schlussraten, liquiditätssichernde Massnahmen, etc)
  • Kontakt zum Hersteller oder Systemanbieter bezüglich möglicher Liquiditätshilfen. (Informationsfluss)
  • Individueller Antrag beim OEM oder gemeinsame Anfrage über Händlerverband. (z.B. im Bezug auf das anpassen oder aussetzen von Jahreszielvorgaben im Neuwagengeschäft, Volumen-Boni, Customer-Service-Boni, Zulassungsfristen, Meldefristen, Anweisung Quartalsbonus, Mystery-Shopping-Maßnahmen, Garantie-Audits, Umbaumaßnahmen etc)

Weitere Handlungsempfehlungen im Autohaus für den Bereich Verkauf, welche abhängig sind von den individuellen Regelungen und Auslegungen vor Ort sowie der Möglichkeit von Homeoffice (Das ist keine Rechtsberatung)

  • Prüfung auf offene Auslieferungen. Welche Autos sind bezahlt und zugelassen?
  • Bereinigung der Kundendatenbank.
  • Produktwissen vertiefen.
  • Online Präsentation von Fahrzeugen.
  • Planer / Reminder für Kunden-Geburtstage einrichten als zukünftigen Kontaktpunkt.
  • „Fahrzeug-Geburtstage“ als Kundenkontaktpunkt vorplanen.
  • Telefonische Beratung von Kunden und Interessenten.
  • Virtuelle Konfiguration von Neufahrzeugen.
  • Produktvideos erstellen und on demand zur Verfügung stellen (Ausstattungsdetails, Zubehöranbauten, Solo-Probefahrt mit fixierter Kamera im Innenraum etc.)
  • Lagerfahrzeuge per Videochat präsentieren.
  • Schulungsbedarf feststellen und ggf. online/digital aktiv werden ( z.B. eLearning Plattformen nutzen )

 

Hier gehts zum Artikel: Sicherung der Beschäftigung im Autohaus – Teil 1 Werkstatt

Sicherung der Beschäftigung im Autohaus
Sicherung der Beschäftigung im Autohaus

 

Fazit zu aktuellen Handlungsempfehlungen im Autohaus

Immer mehr Hersteller wie Volvo, FCA oder Toyota, haben bereits Hilfspakete für die angeschlossenen Händler geschnürt. Das ist ein Anfang und das richtige Signal. Wir werden gemeinsam diese Krise bewältigen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Wir im Team sehen es als Chance, um vorhandene Prozesse und Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Der Mitarbeiter bleibt weiterhin das wichtigste Kapital im Autohaus, jedoch wird sich gerade im Bereich der Digitalisierung sehr viel beschleunigen.

Auch wenn aktuell viel Unsicherheit und Verwirrung herrscht, wenn der stationäre Automobilhandel wieder zum Leben erweckt, muss man als Unternehmen und Mitarbeiter bereit sein.

Wir unterstützen den Automobilhandel dabei, jetzt schon die strategisch richtigen Entscheidungen und Maßnahmen im Bereich der digitalen Transformation zu treffen. Wer in dieser schweren Zeit Hilfe oder einfach eine Einschätzung von außen benötigt, soll sich bitte bei mir melden!

Dein Stefan Jentzsch von den https://automotive-heads.com/

 

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eLearning-Plattform für das Autohaus
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  • Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.
  • Die digitale Wissensvermittlung ist aktuell die beste Wahl für Fort- und Weiterbildung.
  • Weil das unser Beitrag ist, um die Mitarbeiter ohne Einsatz von deren eigenen Kapital, für die Zeit nach Corona zu stärken und zu unterstützen.

Corona

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